Idstedter verabschiedeten ihren Postboten

Überraschung an seinem letzten Arbeitstag: Als Verbundzusteller Heinz Sakautzki Silvester in seinem 528 Haushalte umfassenden Zustellbezirk Idstedt erreichte, wurde er ins Feuerwehrhaus umgeleitet. Dort schmückten Einwohner seinen Dienstwagen, damit die Bewohner der 380 Idstedter Haushalte sehen konnten: Ihr Heinz brachte nach 26 Jahren zum letzten Mal die Post.
Einige holten sie sich schon hier ab, verabschiedeten ihren Postboten herzlich, und für Heinz Sakautzki gab es bereits die ersten Geschenkpäckchen. Am Ende seiner Tour durchs Dorf hatte er nahezu so viele Pakete für sich, wie er zuvor ausgeteilt hatte.
Dafür machte er sogar Überstunden; denn am Ende der regulären Arbeitszeit „entführte" ihn Bürgermeister Edgar Petersen ins Schützenheim. Dort erwarteten ihn nicht nur viele seiner Kunden, sondern auch seine Kollegen der benachbarten Bezirke. Wieder gab es Umarmungen und Geschenke für den scheidenden Postzusteller.
„Komm mal auf´n Kaffee vorbei", hörte man viele Idstedter sagen, zu denen Heinz Sakautzki in all den Jahren eine persönliche Bindung aufgebaut hatte. Man wollte sich eine Zeit ohne ihn gar nicht vorstellen und schlug vor, ihn künftig mit der „MoinMoin" im Dorf zu sehen. Der Geehrte betonte seinerseits, wie wichtig ihm die menschlichen Beziehungen in seinem Beruf immer gewesen seien. Er habe sich bei den Idstedtern immer wohl gefühlt; deshalb werde er die Kontakte nicht völlig abbrechen. Über Opel-Club und Schießen sei er ohnehin mit dem Dorf verbunden, und einen offiziellen Termin nahm er auch schon gleich mit:
Bürgermeister Edgar Petersen lud ihn zur offiziellen Verabschiedung der Gemeinde für den 20. Januar zur Vertretersitzung ein. Das Treffen am Silvestertag sei nämlich allein für die Einwohner organisiert. Und die erschienen mit allen Vereinsvorsitzenden. In ihrem Namen überreichte Kulturkreis-Chef Holger Behmer eine Dankesurkunde sowie einen Einkaufsgutschein für Sakautzkis Wohnort Treia.
Gerührt von so viel Wertschätzung setzte Postbote Heinz nach Feierabend die unterbrochene Zustellung fort - jetzt auf dem Beifahrersitz. Sein Nachfolger Henning Stüber fungierte als sein Chauffeur. Dieser befürchtete, den Rekord von Heinz Sakautzki nicht brechen zu können: Er werde keine 26 Jahre in Idstedt durchhalten, weil die Post sich anders organisiere. Vielleicht werde ein Zusteller nur noch einmal in der Woche auf dem Land erscheinen, oder es gebe zentrale Postfächer, aus denen sich die Kunden selbst bedienen müssten. Er wolle zwar gern seine Kunden persönlich kennen; doch eines sei sicher: So wie mit Heinz Sakautzki werde es nicht wieder.

Hans-Werner Staritz

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